Trainings zum konstruktiven Umgang mit Konflikt und Gewalt

Geschichtlicher Hintergrund

Die ersten Trainings wurden bei den Vorbereitungen zu Aktionen der BürgerInnenrechtsbewegung in den 50er und 60er Jahren in den USA durchgeführt. Weiterentwickelt wurden sie dort in den StudentInnenaktionen der 70er Jahre.

Zu dieser Zeit wurden auch erste Trainings in der Bundesrepublik in der Anti-AKW-Bewegung und der Friedensbewegung durchgeführt, Schwerpunkt war hier die Vorbereitung auf den Umgang mit Gewaltsituationen auf Demonstrationen.

Die Trainingskonzepte aus den USA konnten nur ansatzweise für die Situation in der Bundesrepublik übernommen werden. Weitere Methoden mussten herangezogen werden, um auf die spezifische Situation einzugehen und die mit den Grundlagen gewaltfreier Aktionen im Einklang standen.

Methoden und Übungen wurden (und werden auch heute) unter den TrainerInnen entwickelt, ausgetauscht und verbessert.

Quellen sind dabei u.a. die Humanistische Psychologie, die klientzentrierte Gesprächsführung (Rogers), die Themenzentrierte Interaktion (Cohn), New Games, die Befreiungspädagogik von Paolo Freire und das Theater der Unterdrückten nach Auguste Boal. In den letzten fünf Jahren bekamen die Wahrnehmungs- und Kommunikationspsychologie einen größeren Stellenwert (Wazlawick/Schulz v.Thun).

Neue Herangehensweisen, die sich in den Trainings selbst ergeben, werden in den Trainingskollektiven nachbereitet und in den Methodenpool aufgenommen.

Nach den pogromartigen Angriffen auf das AusländerInnenwohnheim in Hoyerswerda fanden sich 1991 TrainerInnen in Initiativen zusammen, die dem anwachsenden Rassismus und der rassistisch motivierten Gewalt praktisch etwas entgegensetzen wollten. Der Schwerpunkt lag anfangs in Trainings zur Entwicklung neuer Schritte für das Eingreifen in direkten Gewaltsituationen, von der Anpöbelei in der Straßenbahn bis hin zum Schutz von Flüchtlingswohnheimen.

Bis Ende des Jahres 1993 fanden allein mit TrainerInnen des Kölner Trainingskollektives über 100 Trainings zu diesem Schwerpunkt statt.

Schnell stellte sich heraus, dass dieser thematische Ansatz nicht weit genug reicht. Immer öfter wurden von Teilnehmenden Trainings mit weiteren Themenschwerpunkten angefragt.

Themenbereichen in denen Trainingskollektive heute tätig sind:

Trainingsaufbau und Methoden

Um ganzheitliches Lernen zu ermöglichen, bedienen wir uns unterschiedlicher Arbeitsformen.

Neben der in klassischen Seminaren üblichen Informationsvermittlung und der kognitiven Reflexion nehmen praktische Übungen und Rollenspiele einen großen Raum ein.

Wir wollen (und können) keine Patentrezepte vermitteln sondern bieten einen methodischen Rahmen an, in den die Teilnehmenden ihr Wissen einbringen, gemeinsam nach Lösungen suchen und Neues in einer geschützten Atmosphäre ausprobieren können.

Inhalte und Verlauf der Trainings werden (soweit möglich) im Vorfeld mit den VeranstalterInnen und/oder den Teilnehmenden in Erstgesprächen und über Fragebögen an die Teilnehmenden abgestimmt.

Bei Gruppen über 10 Personen arbeiten wir mit zwei TrainerInnen, in gemischtgeschlechtlichen Gruppen mit einem gemischten Team.

Die Teilnahme an Trainings ist freiwillig, wir führen keine Anwesenheitskontrollen durch.

Ebenso liegt es in der Eigenverantwortung der Teilnehmenden, ihre Wünsche und Ideen in das Training einzubringen, aber auch, ihre individuellen Grenzen zu berücksichtigen .Um eine möglichst große Offenheit und Arbeitsfähigkeit der Gruppe zu gewährleisten wird dies am Anfang der Trainings thematisiert.

Ein Training beginnt mit einer Kennenlernphase, in der auch die Arbeit des Trainingskollektivs vorgestellt wird.

In der Erwartungs- und Befürchtungsklärung werden nochmals Inhalte und Zeiten des Programms mit den Teilnehmenden abgeglichen.

Im Laufe eines Trainings kann es vorkommen, dass die Gruppe an einem Schwerpunkt vertiefend arbeiten möchte oder einen neuen Themenschwerpunkt aufnehmen möchte. Anhand der Wünsche können die Bausteine des Programms umgestellt, gekürzt, erweitert oder neue eingebaut werden.

Diese Entscheidungsprozesse sind ein wichtiger Bestandteil der Trainings. Auch wenn - gerade in Ersttrainings - einige Teilnehmende ungeduldig darauf warten, dass es "endlich richtig losgeht", in diesen Prozessen sind wir "schon mitten in der Arbeit": Anhand einer alle real betreffenden Situation wird z.B. die Entscheidungsfindung in der Gruppe per Konsens erlebt.

Die Vorteile dieser Methode, z.B. dass alle gehört werden und sich niemand übergangen fühlt und somit getroffene Entscheidungen wirklich tragfähig sind und von allen umgesetzt werden, können gegen Nachteile, z.B. den anfänglichen Zeitaufwand und das unvertraute der Methode, abgewogen und mit anderen Entscheidungsfindungsmodellen verglichen werden.

Nach den Übungen gibt es kurze Zwischenauswertungen, ebenso nach den Themenblöcken. Die Zwischenauswertungen ermöglichen auch, die Bedürfnisse der Gruppe besser kennenzulernen und das weitere Programm danach zu gestalten.


Zurück zur Startseite